Da war er also der Tag. Unser erstes Rennen, unser erster Wettkampf. Ich schätze mit den Wettkämpfen ist es wie mit der Liebe, die erste vergisst man nie.

Teamchef Henner und ich hatten das Mountainbike Training erst vor 4 Monaten begonnen nach jahrelangem Nichts Tun und auf der Couch sitzen. Zu dieser Zeit bestand der einzige

Kontakt mit Sport noch durch die Fussballergebnisse die man Sonntag Abends noch schnell nachschaute. Diese Zeit war also Gott sei Dank vorbei und durch unseren Mentor und Trainer

Pascal kamen wir nicht nur schnell auf den Geschmack der körperlichen Ertüchtigung sondern auch auf den alten Weetkampfgedanken des antiken Roms. Ja wir fühlten uns wie Gladiatoren in der Arena, jung und schwach aber besessen und motiviert und somit war das Ziel auch klar, Blut lecken und überleben.

Am Freitag nach der Arbeit ging es dann nach Mehrstetten. Herrliches Wetter und ein Starterpaket bei der Ankunft lockerten die Atmosphäre auf. Nachdem wir unsere Bikes präpariert hatten ging es zum ersten mal auf den 3,2 km langen Rundkurs zu einer kleinen Testfahrt wo uns die ersten 65 Höhenmeter erwarteten. Schon nach dieser Testrunde war uns klar, das Ding wird härter als gedacht.

Dann war es soweit und der Start stand an. Unser Mentor nahm den Henner gleich mit in die erste Reihe an die Startlinie und los gings. Kurz nach dem Start stellte ich mich schon in die Wechselzone, ich rechnete mit ca. 10 Minuten Fahrzeit für die erste Runde. Henner fühlte sich nicht nur wie ein Gladiator, er sah auch so aus. Dies hatte zuf Folge, dass einige der Starter eingeschüchtert nicht die Leistung beim Start erbringen konnten welche sie sich vorgenommen hatten. Henner kam gut weg und ich erwartete ihn schon bald in der Wechselzone.

Die ersten Fahrer kamen in die Wechselzone und ich spürte, dass etwas nicht stimmte. Ein kurze Blick auf die Pulsanzeige, ich stand ruhig da und mein Puls war auf über 140. So nervös sind wohl nur Kinder vor einem Zahnarztbesuch, aber genau das waren wir jetzt, jetzt wo der Kampf kurz bevor stand waren wir keine Gladiatoren mehr sondern Kinder. Kinder für die das alles neu war, wir mussten es erst einmal für uns entdecken. Wie sich später herausstellte hatte Henner einen Sturz bei dem es ihn überschlagen hat. Die Sattelstütze wurde komplett zerstört und so ist er die Runde voll ohne Sattel weitergefahren. Was für eine Leistung.

Als er in der Wechselzone ankam war dann ich an der Reihe. Voller Adrenalin nahm ich die erste Abfahrt und schon nach der ersten Runde dachte ich nur ich würde sterben und das hier nicht überleben. Währenddessen hatte Henner in der Pause große Mühe seinen Sattel wieder zu befestigen, was ihm dann schließlich noch rechtzeitig mit Kabelbindern gelang, sodass ich wieder an ihn übergeben konnte. Währen des gesammten Rennens war es ein Kampf mit und um den Tod. Während ich bei den letzten Runden kleinere Einbrüche zu verzeichnen hatte, fuhr Henner konstant auf hohem Niveau durch.

Am Ende war es dann Platz 51 von 54 und wir waren zufrieden. Nicht Letzter und somit überlebt, zwar schwer verletzt aber wir werden hier gestärkt hervorgehen und im nächsten Jahr das antike Rom erobern. Wir lagen uns in den Armen und als Belohnung gab es dann noch ein Weizen für den Henner und ein Spezi für mich.

Noch nie hat das Fahrrad putzen an diesem Wochenende soviel Spass gemacht wie nach diesem Rennen.